Was einst als Garage begann, ist heute ein Bioladen mit Vollsortiment (Fotos: Marta Fröhlich)
31.01.2019
Betriebsbesuch

Mehr als nur ein Hofladen

Vor 35 Jahren verkaufte Familie Mockenhaupt ihr Gemüse und Obst in einer Garage. Heute betreibt sie in Schürdt einen Hofladen, der den Kunden ein Vollsortiment für den Wocheneinkauf bietet. Von Marta Fröhlich

Die grünen Kunststoffkisten klappern über das Förderband. Nach und nach wandern Obst, Gemüse, Marmeladen und Müslis in die Boxen. Es ist Packtag auf dem Bioland-Hof Schürdt nahe Altenkirchen. Der Hof beliefert zweimal die Woche mehrere Hundert Kunden im gesamten Westerwald, steht dazu auf zwei Wochenmärkten und ist somit das, was man unter einem klassischen Direktvermarkter versteht.

Anette Mockenhaupt im heutigen Hofladen (Foto: Caroline Giese)
1984 hat Anette Mockenhaupt den Betrieb übernommen und auf Bio umgestellt. Während ihre Eltern noch konventionelle Geflügelhaltung betrieben hatten, brachten nun Feldgemüse, verschiedene Tiere und Brot aus eigener Herstellung das Einkommen - alles nach den Bioland-Richtlinien produziert. Gemeinsam mit ihrem Mann Konrad baute sie einen kleinen Lieferservice auf, die Garage wurde zum Hofladen.

Heute, nach rund 35 Jahren, ist der Garagenverkauf zu einem kleinen Biomarkt herangewachsen. Beim Gang durch den Laden fällt auf: Zwischen Kisten mit Saisongemüse und Linsen aus dem Westerwald liegen auch Zitrusfrüchte aus Südeuropa und verpackte Tees aus dem Großhandel. Eine große Bioweinauswahl und ein meterlanges Regal mit Naturkosmetik ziehen den Blick der Kunden auf sich. Ist das noch Direktvermarktung?

Tiere liefern organischen Dünger

"Wir sind hier sozusagen der Bioladen der Region. Die Bioläden drum herum haben zugemacht", sagt Caroline Giese. Die Tochter der Mockenhaupts soll in naher Zukunft den Hof übernehmen und hat vor allem den Kunden im Blick. "Die Verbraucher wollen bei uns ein Vollsortiment finden und ihren gesamten Wocheneinkauf hier erledigen, deshalb haben wir unser Angebot so breit aufgestellt."

Für die 32-Jährige war deshalb die Erfüllung eines weiteren Kundenwunsches nur konsequent: Den elterlichen Lieferservice, der in den Achtzigern rein auf Gemüse und Obst beschränkt war, hat sie vor drei Jahren um einen Onlineshop ergänzt. Nun haben die Kunden die Möglichkeit, alle Waren aus dem Sortiment des Hofladens bis vor die Haustür geliefert zu bekommen. So kann jede Kiste, die gepackt und mit drei Lieferwägen zu den Kunden gebracht werden, komplett individuell sein. Ein ordentlicher Aufwand. Doch für Giese ist klar: "Der Onlineshop ist ein zusätzliches Standbein für den Betrieb und er sichert auch die Abnahme unserer eigenen Produkte."

Caroline Giese
Und diese sind immer noch vielfältig. Wer dem kleinen Schild "Landwirtschaft" links neben dem Hofladen folgt, der wird bei seinem Rundgang genau beobachtet. Rund 25 Mutterkühe, deren Kälber und zwei Bullen verfolgen genau, wer da an ihrem frisch aufgetischten Heu vorbeiläuft. In einem großen Frischluftstall warten sie auf den Frühling, wenn es wieder auf die Weide geht. "Die Tiere sind für uns ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Wir brauchen organischen Dünger, um unsere Felder mit Nährstoffen zu versorgen", erklärt Giese, "wir halten aber nur so viele Tiere, wie wir Mist für die Felder brauchen." Neben dem Dünger liefern die Rinder auch Fleisch, das im Hofladen oder über die Lieferkiste vermarktet wird. Alle drei Wochen wird eines der ausgewachsenen Tiere aus der Herde geschlachtet.

Kooperationen im Bionetzwerk

Nur einen Steinwurf entfernt herrscht große Aufregung, denn bei den 60 Mastschweinen ist Spielstunde. In den großen Boxen des neu gebauten offenen Freiluftstalls rennen zwei Schwäbisch-Hällische Landschweine um die Wette, necken und zanken sich, um sich anschließend mit einem zufriedenen Grunzen in der überdachten Kuschelzone hinzufläzen. "Das ist vor allem für Kinder immer lustig, die schauen den Schweinen so gern zu", sagt Caroline Giese und kommt nicht umhin, selbst noch mit dem Handy ein paar Schnappschüsse ihrer Schweine zu machen.

Während den Schweinen und Rindern der Wintereinbruch und die Minusgrade nichts auszumachen scheinen, zeigen sich die Hühner vor ihren zwei mobilen Ställen deutlich skeptischer beim Anblick des knöchelhohen Schnees. Zaghaft picken sie mal hier, mal da in der Hoffnung auf kleine Leckereien, die sich unter der Schneedecke verbergen. Als Eierlieferanten gehören sie fest zum Hof, und auch ihr Fleisch wird von den Kunden gern angenommen.

"Unser Fleisch ist schon ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Giese, "vor allem, weil wir den überwiegenden Teil des Futters selbst erzeugen, wir müssen fast nichts dazukaufen." Der Schwerpunkt beim Ackerbau liegt zwar auf Feldgemüse - zum Beispiel zehn Sorten Kartoffeln -, aber auch Back- und Futtergetreide wachsen auf den Feldern rund um den Bioland-Hof.

Was hier nicht wächst, wird möglichst aus der Region zugekauft, so zum Beispiel Linsen und Leinsaat oder Feingemüse wie Salate. Die Familie ist im Westerwald gut vernetzt, Caroline Giese spricht von einem festen Betriebenetz, das seit Jahrzehnten kooperiert. "Dieses Netzwerk ist für uns sehr wichtig", sagt sie, "und doch sind wir froh, dass wir den Großhandel haben." Denn auch sie als Direktvermarkter spüren, dass die Dichte der Einkaufsmöglichkeiten zunimmt, die Kunden bequemer werden und alles aus einer Hand haben wollen. Sie nehmen nicht mehr so gern den langen Weg raus aufs Land auf sich. "Da muss man sich was einfallen lassen und mit der Zeit gehen", sagt Giese. So will sie den Betrieb ihrer Eltern in die Zukunft führen, in die sie voller Zuversicht blickt und sogar weitere Investitionen plant. Noch in diesem Jahr steht die nächste Erweiterung des Hofladens an.

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Auf bioland.de

 

 

Was einst als Garage begann, ist heute ein Bioladen mit Vollsortiment (Fotos: Marta Fröhlich)
31.01.2019
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Vor 35 Jahren verkaufte Familie Mockenhaupt ihr Gemüse und Obst in einer Garage. Heute betreibt sie in Schürdt einen Hofladen, der den Kunden ein Vollsortiment für den Wocheneinkauf bietet. Von Marta Fröhlich

Die grünen Kunststoffkisten klappern über das Förderband. Nach und nach wandern Obst, Gemüse, Marmeladen und Müslis in die Boxen. Es ist Packtag auf dem Bioland-Hof Schürdt nahe Altenkirchen. Der Hof beliefert zweimal die Woche mehrere Hundert Kunden im gesamten Westerwald, steht dazu auf zwei Wochenmärkten und ist somit das, was man unter einem klassischen Direktvermarkter versteht.

Anette Mockenhaupt im heutigen Hofladen (Foto: Caroline Giese)
1984 hat Anette Mockenhaupt den Betrieb übernommen und auf Bio umgestellt. Während ihre Eltern noch konventionelle Geflügelhaltung betrieben hatten, brachten nun Feldgemüse, verschiedene Tiere und Brot aus eigener Herstellung das Einkommen - alles nach den Bioland-Richtlinien produziert. Gemeinsam mit ihrem Mann Konrad baute sie einen kleinen Lieferservice auf, die Garage wurde zum Hofladen.

Heute, nach rund 35 Jahren, ist der Garagenverkauf zu einem kleinen Biomarkt herangewachsen. Beim Gang durch den Laden fällt auf: Zwischen Kisten mit Saisongemüse und Linsen aus dem Westerwald liegen auch Zitrusfrüchte aus Südeuropa und verpackte Tees aus dem Großhandel. Eine große Bioweinauswahl und ein meterlanges Regal mit Naturkosmetik ziehen den Blick der Kunden auf sich. Ist das noch Direktvermarktung?

Tiere liefern organischen Dünger

"Wir sind hier sozusagen der Bioladen der Region. Die Bioläden drum herum haben zugemacht", sagt Caroline Giese. Die Tochter der Mockenhaupts soll in naher Zukunft den Hof übernehmen und hat vor allem den Kunden im Blick. "Die Verbraucher wollen bei uns ein Vollsortiment finden und ihren gesamten Wocheneinkauf hier erledigen, deshalb haben wir unser Angebot so breit aufgestellt."

Für die 32-Jährige war deshalb die Erfüllung eines weiteren Kundenwunsches nur konsequent: Den elterlichen Lieferservice, der in den Achtzigern rein auf Gemüse und Obst beschränkt war, hat sie vor drei Jahren um einen Onlineshop ergänzt. Nun haben die Kunden die Möglichkeit, alle Waren aus dem Sortiment des Hofladens bis vor die Haustür geliefert zu bekommen. So kann jede Kiste, die gepackt und mit drei Lieferwägen zu den Kunden gebracht werden, komplett individuell sein. Ein ordentlicher Aufwand. Doch für Giese ist klar: "Der Onlineshop ist ein zusätzliches Standbein für den Betrieb und er sichert auch die Abnahme unserer eigenen Produkte."

Caroline Giese
Und diese sind immer noch vielfältig. Wer dem kleinen Schild "Landwirtschaft" links neben dem Hofladen folgt, der wird bei seinem Rundgang genau beobachtet. Rund 25 Mutterkühe, deren Kälber und zwei Bullen verfolgen genau, wer da an ihrem frisch aufgetischten Heu vorbeiläuft. In einem großen Frischluftstall warten sie auf den Frühling, wenn es wieder auf die Weide geht. "Die Tiere sind für uns ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Wir brauchen organischen Dünger, um unsere Felder mit Nährstoffen zu versorgen", erklärt Giese, "wir halten aber nur so viele Tiere, wie wir Mist für die Felder brauchen." Neben dem Dünger liefern die Rinder auch Fleisch, das im Hofladen oder über die Lieferkiste vermarktet wird. Alle drei Wochen wird eines der ausgewachsenen Tiere aus der Herde geschlachtet.

Kooperationen im Bionetzwerk

Nur einen Steinwurf entfernt herrscht große Aufregung, denn bei den 60 Mastschweinen ist Spielstunde. In den großen Boxen des neu gebauten offenen Freiluftstalls rennen zwei Schwäbisch-Hällische Landschweine um die Wette, necken und zanken sich, um sich anschließend mit einem zufriedenen Grunzen in der überdachten Kuschelzone hinzufläzen. "Das ist vor allem für Kinder immer lustig, die schauen den Schweinen so gern zu", sagt Caroline Giese und kommt nicht umhin, selbst noch mit dem Handy ein paar Schnappschüsse ihrer Schweine zu machen.

Während den Schweinen und Rindern der Wintereinbruch und die Minusgrade nichts auszumachen scheinen, zeigen sich die Hühner vor ihren zwei mobilen Ställen deutlich skeptischer beim Anblick des knöchelhohen Schnees. Zaghaft picken sie mal hier, mal da in der Hoffnung auf kleine Leckereien, die sich unter der Schneedecke verbergen. Als Eierlieferanten gehören sie fest zum Hof, und auch ihr Fleisch wird von den Kunden gern angenommen.

"Unser Fleisch ist schon ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Giese, "vor allem, weil wir den überwiegenden Teil des Futters selbst erzeugen, wir müssen fast nichts dazukaufen." Der Schwerpunkt beim Ackerbau liegt zwar auf Feldgemüse - zum Beispiel zehn Sorten Kartoffeln -, aber auch Back- und Futtergetreide wachsen auf den Feldern rund um den Bioland-Hof.

Was hier nicht wächst, wird möglichst aus der Region zugekauft, so zum Beispiel Linsen und Leinsaat oder Feingemüse wie Salate. Die Familie ist im Westerwald gut vernetzt, Caroline Giese spricht von einem festen Betriebenetz, das seit Jahrzehnten kooperiert. "Dieses Netzwerk ist für uns sehr wichtig", sagt sie, "und doch sind wir froh, dass wir den Großhandel haben." Denn auch sie als Direktvermarkter spüren, dass die Dichte der Einkaufsmöglichkeiten zunimmt, die Kunden bequemer werden und alles aus einer Hand haben wollen. Sie nehmen nicht mehr so gern den langen Weg raus aufs Land auf sich. "Da muss man sich was einfallen lassen und mit der Zeit gehen", sagt Giese. So will sie den Betrieb ihrer Eltern in die Zukunft führen, in die sie voller Zuversicht blickt und sogar weitere Investitionen plant. Noch in diesem Jahr steht die nächste Erweiterung des Hofladens an.

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