Sie soll frischen Wind ins Landwirtschaftsministerium bringen: Julia Klöckner stammt aus einer Winzerfamilie (Foto: imago)
05.03.2018
Die neue Landwirtschaftsministerin

Frau Forsch

Julia Klöckner wird neue Landwirtschaftsministerin - und trägt damit dazu bei, die Regierung jünger und weiblicher zu machen. Ob sie aber auch frischen Wind in ihr Ministerium bringen kann, wird sich erst noch zeigen. Von Julia Schreiner

Er schaut meistens mürrisch, sie sieht man fast immer hübsch lächeln. Julia Klöckner löst den eher glücklosen CSU-Mann Christian Schmidt an der Spitze des Bundeslandwirtschaftsministeriums ab. Das Ressort geht damit zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder an die CDU - ein Traditionsbruch, der vielleicht auch einiges über Schmidts Bilanz aussagt.

Neu ist das Ministerium für die Rheinland-Pfälzerin Klöckner nicht: Sie kennt es aus ihrer Zeit als parlamentarische Staatssekretärin unter Ilse Aigner (CSU). Eigentlich wollte die 45-Jährige groß in ihrer Heimat Rheinland-Pfalz herauskommen. Daraus wurde allerdings nichts. Bei zwei Landtagswahlen in Folge scheiterte sie als Spitzenkandidatin der CDU. Dabei war sie vor der letzten Wahl so siegesgewiss: "Unsere neue Ministerpräsidentin" lautete die forsche Ansage auf Wahlplakaten, die nicht überall gut ankam.

Doch im Landtagswahlkampf war die CDU-Vizevorsitzende schon als neuer Shootingstar gehandelt worden. Manche sahen in ihr sogar schon die nächste Kanzlerin. Da kann man schon mal leicht übermütig werden. Man kennt die gebürtige Bad Kreuznacherin allerdings auch sonst als eher forsch im Auftreten. Sie selbst bezeichnete sich einmal als "Stürmerin".

Komische Idee

Nun also das Landwirtschaftsministerium. Weg von der harten Oppositionsbank, auf nach Berlin. "Vorfreude auf Julia Klöckner" titelte Top Agrar Online vor einigen Tagen. Der Bauernverband freut sich schon, die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie offenbar ebenso. Klöckner hat auch gleich mal eine Ansage gemacht, die dem Bauernverbands-Präsidenten Joachim Rukwied gefallen haben dürfte. Sie wolle die Landwirtschaft wettbewerbsfähig machen. Rukwied denkt bei Wettbewerbsfähigkeit vor allem an den Weltmarkt und den Export deutscher Lebensmittel, von Fleisch oder Milch, in alle Himmelsrichtungen.

Was Julia Klöckner will, ist noch nicht ganz klar. Ernährungsbildung steht auf ihrer To-do-Liste, Lebensmittelkennzeichnung auch. Revolutionäres ist allerdings wohl nicht unbedingt zu erwarten, denn die acht Seiten über Landwirtschaft und Ernährung im Koalitionsvertrag tragen ihre Handschrift. Sie verhandelte federführend für die CDU. Und da ist von einem Kurswechsel in der Landwirtschaft nichts zu spüren.

Wenig Freude hat die neue Landwirtschaftsministerin unlängst in der Biobranche ausgelöst. Da war sie noch gar nicht im Amt und irritierte bereits mit einer komischen Idee: Sie wolle die strengen Pflanzenschutzvorgaben für Biobauern in schlechten Zeiten auflockern, kündigte sie an. Konventionelle Pestizide im Ökolandbau? Absurder Vorschlag, urteilte die Branche entsetzt. Dass Klöckner zugleich mehr Forschungsgelder für den Biolandbau in Aussicht stellte, wurde hingegen wohlwollend aufgenommen. Fest steht: Mit den Grundlagen des Ökolandbaus muss sich Klöckner wohl erst noch etwas vertraut machen.

Das treffsichere Aufspüren von Fettnäpfchen  galt bisher eher als Schmidts Kernkompetenz. Klöckner traut man mehr Mediengespür zu - wenn ihr ihre forsche Art nicht mal wieder in die Quere kommt. Immerhin war sie zu Beginn ihrer Berufskarriere einige Zeit als Journalistin unterwegs. Sie hat eine journalistische Ausbildung und arbeitete beim SWR in Mainz.

Und sie stammt aus einer Winzerfamilie. Das dürfte die deutschen Winzer hoffen lassen, besonders viel Aufmerksamkeit von der Ministerin zu bekommen. Dass die neue Ministerin auch mal deutsche Weinkönigin war, verleitet manche Kommentatoren zu Spötteleien. Julia Klöckner selbst scheint darauf eher stolz zu sein. Es steht in ihrem Lebenslauf. Und angeblich auch an der Fassade des Winzerhofs Klöckner im schönen Guldental.

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Neu ist das Ministerium für die Rheinland-Pfälzerin Klöckner nicht: Sie kennt es aus ihrer Zeit als parlamentarische Staatssekretärin unter Ilse Aigner (CSU). Eigentlich wollte die 45-Jährige groß in ihrer Heimat Rheinland-Pfalz herauskommen. Daraus wurde allerdings nichts. Bei zwei Landtagswahlen in Folge scheiterte sie als Spitzenkandidatin der CDU. Dabei war sie vor der letzten Wahl so siegesgewiss: "Unsere neue Ministerpräsidentin" lautete die forsche Ansage auf Wahlplakaten, die nicht überall gut ankam.

Doch im Landtagswahlkampf war die CDU-Vizevorsitzende schon als neuer Shootingstar gehandelt worden. Manche sahen in ihr sogar schon die nächste Kanzlerin. Da kann man schon mal leicht übermütig werden. Man kennt die gebürtige Bad Kreuznacherin allerdings auch sonst als eher forsch im Auftreten. Sie selbst bezeichnete sich einmal als "Stürmerin".

Komische Idee

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Das treffsichere Aufspüren von Fettnäpfchen  galt bisher eher als Schmidts Kernkompetenz. Klöckner traut man mehr Mediengespür zu - wenn ihr ihre forsche Art nicht mal wieder in die Quere kommt. Immerhin war sie zu Beginn ihrer Berufskarriere einige Zeit als Journalistin unterwegs. Sie hat eine journalistische Ausbildung und arbeitete beim SWR in Mainz.

Und sie stammt aus einer Winzerfamilie. Das dürfte die deutschen Winzer hoffen lassen, besonders viel Aufmerksamkeit von der Ministerin zu bekommen. Dass die neue Ministerin auch mal deutsche Weinkönigin war, verleitet manche Kommentatoren zu Spötteleien. Julia Klöckner selbst scheint darauf eher stolz zu sein. Es steht in ihrem Lebenslauf. Und angeblich auch an der Fassade des Winzerhofs Klöckner im schönen Guldental.

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